Positive Bilanz nach eineinhalb Jahren

Die Zahl der gerichtlichen Erwachsenenvertretungen sinkt.

in die richtige Richtung gehen

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Zum Stichtag 01.01.2020 gab es in Österreich 45.709 gerichtliche Erwachsenenvertretungen. Das ist ein Rückgang um 13% im Vergleich zum 01.07.2018. Seit damals ist das Erwachsenenschutzgesetz in Kraft, die sogenannte gerichtliche Erwachsenenvertretung trat an die Stelle der stark kritisierten Sachwalterschaft. „Die Zahlen zeigen, dass wir mit dem Erwachsenenschutzgesetz auf dem richtigen Weg sind“, zeigt sich Martin Marlovits, stv. Fachbereichsleiter Erwachsenenvertretung bei VertretungsNetz, erfreut.

Bemerkenswert dabei: Für nur 6% der gerichtlichen Erwachsenenvertretungen gilt aktuell ein so genannter „Genehmigungsvorbehalt“. Das bedeutet, dass die Betroffenen für Entscheidungen in bestimmten Angelegenheiten die Zustimmung ihrer Erwachsenenvertreterin oder ihres Erwachsenenvertreters einholen müssen. Martin Marlovits drückt es so aus: „Nur 6% der Menschen mit gerichtlicher Erwachsenenvertretung unterliegen aktuell den Beschränkungen, die unter dem Sachwalterrecht für alle Betroffenen galten. 94% hingegen können nun selbst entscheiden, ob sie sich beispielsweise mit ihrem eigenen Geld neue Möbel anschaffen, einen Mietvertrag unterschreiben, auf Urlaub fahren und vieles mehr. Ein klarer Gewinn für die Selbstbestimmung.“

Einstellungsempfehlung für fast die Hälfte aller Verfahren

„Die Zahl der Anregungen bei Gericht – also die Mitteilung, dass eine bestimmte Person eine gerichtliche Erwachsenenvertretung brauchen könnte – ist etwa gleich hoch wie vor Inkrafttreten des Erwachsenenschutzgesetzes. Es werden aber deutlich mehr Verfahren eingestellt,“ weiß Martin Marlovits.

Als entscheidend hat sich hier die Abklärung durch die Erwachsenenschutzvereine im Vorfeld erwiesen, die nun im neuen Gesetz verpflichtend ist: In 46% aller neuen Verfahren kommt das „Clearing“ zum Ergebnis, dass keine gerichtliche Erwachsenenvertretung nötig ist, weil es zum Beispiel Unterstützung aus dem sozialen Umfeld oder eine andere Vertretungsmöglichkeit gibt, die der oder dem Betroffenen mehr Selbstbestimmung über das eigene Leben ermöglicht.

Rechtzeitig selbstbestimmt wählen, solange man noch kann

Trotzdem ist nicht alles rosig: Sorge bereitet VertretungsNetz die vergleichsweise hohe Anzahl der neu errichteten „gesetzlichen Erwachsenenvertretungen“ durch Angehörige – eine weitere, mit dem Erwachsenenschutzgesetz im Juli 2018 neu eingeführte Vertretungsmöglichkeit. Allein bei VertretungsNetz wurden seither rund 3.300 gesetzliche Erwachsenenvertretungen errichtet. Im Vergleich dazu ist nur jede 5. Erwachsenenvertretung eine selbstgewählte. Diese Vertretungsvariante ist ebenfalls seit eineinhalb Jahren möglich. Vor allem für ältere Menschen werden jedoch meist gesetzliche Erwachsenenvertretungen errichtet. 53% der Betroffenen sind über 75 Jahre alt, fast 26% sind über 85.

Martin Marlovits appelliert: „Wir raten vor allem älteren Menschen mit demenzieller Erkrankung, rechtzeitig eine selbstgewählte Erwachsenenvertretung zu errichten, bevor der Verlust der Entscheidungsfähigkeit zu groß wird. Denn eine Erwachsenenvertretung, die ich selbst wähle, lässt mir viel mehr Entscheidungsspielraum für wichtige persönliche Weichenstellungen: Wer soll mich konkret in welchen Lebensbereichen wie unterstützen?“


Links: 

Wie unterscheiden sich die verschiedenen Vertretungsmöglichkeiten?

Wo und wie kann ich bei VertretungsNetz eine Erwachsenenvertretung errichten?