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Foto von geschlossener Tür auf psychiatrischer Station

Die Patientenanwaltschaft beobachtet, dass in einigen Krankenhäusern damit begonnen wurde, psychiatrische Stationen zu schließen, um die Betten und das dort eingesetzte Personal für COVID-PatientInnen freizubekommen. Konkret geschehen ist dies beispielsweise schon in Steyr/OÖ, Baden/NÖ und Hall/Tirol, auch in anderen Bundesländern liegen teils schon Pläne vor bzw. starten entsprechende Vorbereitungen.

„Als PatientenanwältInnen haben wir Verständnis dafür, dass man mitten in der zweiten Pandemiewelle dorthin fokussiert, wo es darum geht, unmittelbar Leben von körperlich schwer erkrankten Menschen zu retten“, betont Bernhard Rappert, Fachbereichsleiter Patientenanwaltschaft bei VertretungsNetz. „Nur: Wenn dies dauerhaft auf Kosten der psychiatrischen Versorgung geschieht, dann sind auch hier Menschenleben in Gefahr.“ Ein Beispiel: Auf psychiatrischen Stationen werden Menschen nach einem Suizid-Versuch, die noch nicht ausreichend stabilisiert sind, betreut und gepflegt.

„Wir appellieren an die Politik und die Krankenhausträger, die psychiatrische Versorgung auch angesichts der momentan dramatisch steigenden Corona-Erkrankungen nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn das stationäre Angebot vor Ort zurückgefahren wird, dann müssen PsychiatriepatientInnen möglichst hochfrequent ambulant weiterbetreut werden“, so Rappert.

Gleichzeitig gilt es, die drohenden psychischen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bevölkerung möglichst gut abzufedern – durch den Ausbau entsprechender psychosozialer Angebote. „Hier muss man dringend Geld in die Hand nehmen“, fordert Rappert: „Denn sonst kollabiert vielleicht nicht die medizinische Versorgung im Krankenhaus, wohl aber als Spätfolge die psychiatrische Versorgung vor dem Ansturm der Hilfesuchenden.“