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Foto: Eine lächelnde Frau sitzt neben einem älteren Mann in einer Pflegeeinrichtung; beide tragen Brillen und halten ein Fotoalbum, während sie freundlich in die Kamera blicken.

© VertretungsNetz

03.12.2025

Ehrenamtliche in Wien verhilft 103-Jährigem zu seiner Stimme

Bilanzbuchhalterin unterstützt ihren 103-jährigen Klienten und findet Sinn im Ehrenamt bei VertretungsNetz.

„Anfangs war Stanko F. verwundert, dass ich ihn besuchen kam. Meine Besuche waren ihm fast unangenehm. Er verstand auch nicht recht, was ich sagte“, erinnert sich Brigita D. an das erste Treffen mit ihrem Klienten. Sie nahm kurzerhand ein Papier und schrieb ihm kurze Sätze darauf: „Wie geht es Ihnen?“ Er las den Zettel laut vor, und antwortete auf Kroatisch. 

Sprache als Schlüssel 

Brigita D. ist ehrenamtliche Erwachsenenvertreterin beim Erwachsenenschutzverein VertretungsNetz, der sich für Menschen mit psychischer Erkrankung oder intellektueller Beeinträchtigung einsetzt. Seit Mai unterstützt sie Stanko F., mit seinen 103 Jahren einer der ältesten Klienten des Vereins. „Ich merkte schnell, dass er aufgrund seiner demenziellen Erkrankung verlernte, Deutsch zu sprechen. Ich habe ebenso wie Herr Stanko F. einen kroatischen Hintergrund, also versuchte ich es in seiner Muttersprache Kroatisch: ‚Kako ste mi?‘ Und es funktionierte.“  

Heute fragt er nicht mehr, warum sie ihn besucht. Er freut sich, wenn sie den Gemeinschaftsraum betritt. „Wir sprechen jetzt laut und Kroatisch miteinander, damit er mich versteht. Das funktioniert sehr gut und Gespräche sind wieder möglich. Häufig blättern wir gemeinsam in dem Fotoalbum von seinem 100. Geburtstag.“

Im Alltag vertreten

Aber ihr Ehrenamt besteht aus mehr als nur Besuchen. Sie vertritt ihren Klienten in fast allen Bereichen: Bankgeschäfte, Gesundheit, Behörden. Stanko F. bezieht beispielsweise eine Pension aus Kroatien: Die Ehrenamtliche schrieb daher dort an die zuständige Behörde, damit die Überweisungen auf das neue Konto erfolgten. „Es hat gedauert“, sagt sie, „aber langsam läuft es.“

Manchmal liegen die Hürden im Kleinen: Eine Internetrechnung landete auf ihrem Schreibtisch. „Das kann nicht sein, so etwas nutzt er nicht“, dachte Brigita D. Doch tatsächlich hinter dem Fernseher versteckt fand sie eine Box, die nie angeschlossen worden war. Sie kündigte rasch den Vertrag. Keine große Sache, aber am Ende blieb dem Senior mehr Geld. 

Etwas Sinnvolles machen

Brigita D. ist pensionierte Bilanzbuchhalterin. Behördenbriefe und Formulare hat sie ein Leben lang für Familie und Freunde erledigt. Ihre Schwester machte sie auf die ehrenamtlichen Erwachsenenvertreter:innen von VertretungsNetz aufmerksam: „Sie sagte mir: ‚Das ist doch genau das, was du immer für die Familie machst. Im Ehrenamt wird deine Arbeit dafür gewürdigt.‘ Sie hatte recht, außerdem wollte ich endlich wieder etwas Sinnvolles anfangen.“ 

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