Zum Inhalt springen Zur Suche springen
 » Home » Patientenanwaltschaft » Aktuelle Themen » Kinder- und Jugendpsychiatrie

Kinder- und Jugendpsychiatrie

Versorgungsmängel in Wien

Auch Kinder und Jugendliche können psychisch schwer erkranken. Auslöser für einen emotionalen Ausnahmezustand gibt es viele: Die Eltern trennen sich, oder ein naher Angehöriger stirbt, Mobbing oder Gewalterfahrungen, Liebeskummer. Jede Familie kann betroffen sein – quer durch alle sozialen Schichten. Die Pandemie hat die Situation für Jugendliche verschärft. Sie leiden besonders unter den Einschränkungen. Die Anzahl der Jugendlichen mit Suizidgedanken hat laut Kinder- und JugendpsychiaterInnen seither stark zugenommen. Niedergelassene Fachärzte und -ärztinnen sowie kinderpsychiatrische Abteilungen an Krankenhäusern bieten die nötigen Strukturen, um aus einer solchen Krise herauszufinden: u.a. spezialisiertes Pflegepersonal, pädagogische Begleitung und altersspezifische Therapieangebote.

Der Mangel an Kassenplätzen bei niedergelassenen Kinder- und JugendpsychiaterInnen führt dazu, dass viele Familien erst sehr spät professionelle Unterstützung suchen und bekommen. Immer wieder führt dieser Mangel im niedergelassenen Bereich zu an sich vermeidbaren Psychiatrieaufenthalten.

Der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie fehlt es vielerorts an ausreichend Betten. Besonders dramatisch ist die Situation in der Bundeshauptstadt, wo nach Schätzungen von ExpertInnen etwa 191 Betten zur Verfügung stehen müssten. Dass es in etwa nur die Hälfte ist, zeigt, welch großer Bedarf nach einem angemessenen Ausbau besteht.

Wir beobachten, dass durch den derzeit hohen Bettendruck Kinder und Jugendliche oft zu früh entlassen werden, sodass sie nur unzureichend stabilisiert werden können. Entlassungen erfolgen nicht wegen ausreichender Besserung, sondern um die Betten für die nächsten Notfälle freizumachen.

Dazu kommt der notorische Personalmangel an kinderpsychiatrischen Stationen. Im Extremfall führt dies dazu, dass Stationen geschlossen bleiben müssen, weil die nötigen KinderpsychiaterInnen fehlen. ÄrztInnen berichten, dass sie „an der Grenze der Belastung“ arbeiten und dass spezialisierte MedizinerInnen sich zunehmend „attraktivere Arbeitsplätze“ suchen würden.

VertretungsNetz fordert einen weiteren Ausbau der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgungsstruktur. Kein Kind soll das Krankenhaus verlassen müssen, wenn es noch nicht ausreichend stabilisiert ist. Genauso wichtig ist es, ambulante außerstationäre Behandlungsmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene in psychischen Krisensituationen zu schaffen, denn oft muss es erst gar nicht zu einer Unterbringung im Krankenhaus kommen. Unerlässlich sind in jedem Fall attraktivere Arbeitsbedingungen für das ärztliche Personal an psychiatrischen Abteilungen, um dem akuten Mangel entgegenzuwirken.