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Kinder- und Jugendpsychiatrie

Versorgungsmängel in Wien

Auch Kinder und Jugendliche können psychisch schwer erkranken. Auslöser für einen emotionalen Ausnahmezustand gibt es viele: Die Eltern trennen sich, oder ein naher Angehöriger stirbt, Mobbing oder Gewalterfahrungen, Liebeskummer. Jede Familie kann betroffen sein – quer durch alle sozialen Schichten. Kinderpsychiatrische Abteilungen an Krankenhäusern bieten die nötigen Strukturen, um sich nach so einer Krise zu erholen: u.a. spezialisiertes Pflegepersonal, pädagogische Begleitung und altersspezifische Therapieangebote.

Knapp 80 solcher Krankenhausbetten gibt es für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche in Wien. Auch wenn in den letzten Jahren aufgestockt wurde: Für eine 2-Millionenstadt ist das noch immer viel zu wenig, kritisiert die Patientenanwaltschaft bei VertretungsNetz, die auch Kinder und Jugendliche vertritt. Damit für jede/n Minderjährigen in einer psychischen Krise ein Bett bereitstünde, müssten es nach Schätzungen von ExpertInnen etwa 130 sein.

Wir beobachten, dass durch den derzeit hohen Bettendruck Kinder und Jugendliche oft zu früh entlassen werden, sodass sie nur unzureichend stabilisiert werden können. Entlassungen erfolgen nicht wegen ausreichender Besserung, sondern um die Betten für die nächsten Notfälle freizumachen.

Dazu kommt der notorische Personalmangel an kinderpsychiatrischen Stationen. Im Extremfall kommt es dazu, dass Stationen geschlossen bleiben müssen, weil die nötigen KinderpsychiaterInnen fehlen, wie es derzeit im Wiener Krankenhaus Nord der Fall ist. ÄrztInnen berichten, dass sie „an der Grenze der Belastung“ arbeiten und dass spezialisierte MedizinerInnen sich zunehmend „attraktivere Arbeitsplätze“ suchen würden.

VertretungsNetz fordert einen weiteren Ausbau der kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgungsstruktur in Wien. Kein Kind soll das Krankenhaus verlassen müssen, wenn es noch nicht ausreichend stabilisiert ist. Genauso wichtig ist es, ambulante außerstationäre Behandlungsmöglichkeiten für Kinder und Erwachsene in psychischen Krisensituationen zu schaffen, denn oft muss es erst gar nicht zu einer Unterbringung im Krankenhaus kommen. Unerlässlich sind in jedem Fall attraktivere Arbeitsbedingungen für das ärztliche Personal an psychiatrischen Abteilungen, um dem akuten Mangel entgegenzuwirken.