Herr B. hatte jahrelang keinen Kontakt mehr zu seinem Zwillingsbruder. Die Wiener ehrenamtliche Erwachsenenvertreterin Regina erzählt, wie sie half, die Verbindung wiederherzustellen.
„Wo bleibst du denn? Wann kommst du wieder? Mir geht es gut.“ So beginnt der Brief, den Herr B.* für seinen Zwillingsbruder seiner Erwachsenenvertreterin Regina diktiert hat.

Erwachsenenvertreterin Regina mit Herrn B.
Von Beginn an hatte er ihr von seinem Zwillingsbruder erzählt, der ihn zunächst im Heim besucht hatte und dann plötzlich nicht mehr kam. Herr B. wusste weder die Adresse noch die Telefonnummer seines Bruders, nur den Namen und das Geburtsdatum. In den Akten fand sich dazu nichts. Regina begann selbst zu recherchieren und konnte schließlich über eine offizielle Auskunftsstelle die Adresse des Bruders ausfindig machen.
Beim nächsten Besuch brachte sie Briefpapier und ein Kuvert mit. Herr B. diktierte ihr seinen Brief. Wie es seinem Bruder gehe, fragte er darin nicht, er wollte nur, dass er wiederkommt. In ihrem eigenen Begleitschreiben erklärte die Erwachsenenvertreterin hingegen ihre Rolle, und dass Herr B. seinen Bruder sehr vermisse.
Nach dem Brief passierte lange nichts. Regina hatte die Hoffnung fast aufgegeben, als das Telefon läutete. Am anderen Ende war Hans B.*, der Bruder ihres Klienten. Sie vereinbarten ein Treffen. Er erzählte ihr von einem Streit, der zum Kontaktabbruch geführt hatte. Die ehrenamtliche Erwachsenenvertreterin hörte dem Bruder zu und verstand seine Situation. Aber sie machte ihm auch deutlich, dass es dem Bruder nicht gut gehe und er Hans sehr vermisse. Tatsächlich entschied sich Hans B. noch am selben Tag, seinen Bruder zu besuchen.
Als sie das Zimmer von Herrn B. betraten, lächelte dieser Regina wie immer an. Als er seinen Bruder sah, war er für einen Moment sprachlos. Die Zwillingsbrüder verbrachten drei Stunden miteinander. Es war, als wäre der Bruder nie weg gewesen.
Als ehrenamtliche Erwachsenenvertreterin bei VertretungsNetz vertritt man Menschen mit psychischer Erkrankung oder intellektueller Beeinträchtigung zum Beispiel bei rechtlichen, finanziellen und behördlichen Angelegenheiten. Aber es geht auch um mehr, berichtet Regina „Ich engagiere mich, weil ich gerne mit unterschiedlichsten Menschen rede und sie kennenlernen möchte. Gerade ältere Menschen mit ihren verschiedenen Beeinträchtigungen und Lebensgeschichten finde ich interessant. Wenn ich ihnen dann auch noch ein bisschen helfen kann, ist das ideal.“
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* Namen geändert.