
Der Personalmangel in psychiatrischen Abteilungen spitzt sich drastisch zu – mit spürbaren Folgen für die Praxis. Kürzlich musste etwa am Kardinal Schwarzenberg Klinikum in Schwarzach die psychiatrische Abteilung an Wochenenden vorübergehend geschlossen werden (Mehr zur Schließung in Schwarzach lesen Sie hier in unserem Blogbeitrag). Um den Betrieb in solchen Krisen aufrechtzuerhalten, wird rasch nach Notlösungen gerufen: Rufbereitschaft statt Anwesenheit vor Ort oder Visiten per Videokonferenz.
Solche Modelle kaschieren den Notstand jedoch nur, anstatt ihn zu lösen. Sie gefährden auf Dauer die Versorgungsqualität von Menschen, die sich in einer schweren psychischen Krise befinden und verlässliche, persönliche Unterstützung brauchen. Psychiatrische Arbeit lebt essenziell von Beziehungsarbeit und dem direkten Kontakt von Mensch zu Mensch.
Neben der medizinischen und menschlichen Notwendigkeit gibt es eine klare rechtliche Komponente: Auf stationären psychiatrischen Abteilungen geht es auch um die hoheitliche Aufgabe des Freiheitsentzuges.
Eine durchgehende fachärztliche Präsenz vor Ort ist deshalb nicht nur medizinisch unverzichtbar, sondern rechtlich zwingend geboten. Ein Abweichen von dieser Präsenz – etwa durch reine Video-Spitzen oder Rufbereitschaften – untergräbt die rechtlichen Standards, die zum Schutz der untergebrachten Personen bestehen.
Bereits im April warnte Fachbereichsleiter der Patientenanwaltschaft Mag. Bernhard Rappert in einem offenen Brief an die Österreichische Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik (ÖGPP) sowie an die Leiter:innen psychiatrischer Abteilungen vor genau dieser Entwicklung:
"Lässt man sich als medizinisches Fach auf eine Verminderung der Qualität und Intensität der Versorgung ein – und damit gehen ausnahmslos alle Modelle einher, die von einer durchgehenden fachärztlichen Präsenz abweichen – oder noch schlimmer: verlangt man selbst danach, dann wird das die medizinische Behandlung dauerhaft beeinträchtigen."
Wenn Versorgungsstandards herabgeschraubt und Notlösungen zum neuen Alltag erklärt werden, macht das den Notstand unsichtbar. Es nimmt den Verantwortlichen den Druck, endlich Geld in die Hand zu nehmen und die strukturellen Ursachen anzugehen.
Als Patient:innenvertretung lehnen wir faule Kompromisse auf dem Rücken der Betroffenen entschieden ab. Notlösungen dürfen keinesfalls zum neuen Standard erklärt werden.
Wir fordern daher: